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Irgendwas mit Entwicklungshilfe - Film „Süßes Gift – Hilfe als Geschäft“

50 Jahre Entwicklungshilfe, 1.000 Mrd. US-Dollar Hilfsgelder für Afrika. Aber warum gibt es keinen Entwicklungsschub und warum stehen die Länder mit dem größten Förderanteil heute schlechter da als am Ende der Kolonialzeit vor 50 Jahren? Die Filmemacher Peter Heller und Raoul Peck (Haiti) schauen seit Jahrzehnten hinter die Kulissen des Hilfsbusiness von Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. 

 

Der Film „Süßes Gift-Hilfe als Geschäft“ von Peter Heller fragt, ob Hilfe Abhängigkeit und Lethargie schafft? Diesem Tabu geht der Autor mit eindrucksvollen Bildern und Aussagen von AfrikanerInnen in drei Fallstudien nach. Raoul Peck zeigt in seinem Film „Tödliche Hilfe“ wie sich Hilfsorganisationen nach dem verheerenden Erdbeben auf Haiti von 2010 mit 230.000(!) Toten vor allem selbst finanzieren. Ihnen sind die Bedürfnisse der Notleidenden egal. Hilfe ist zu einem Geschäft geworden und zu „humanitärer Pornografie“. Und Entwicklungshelfer haben Interessen und sind nicht nur gute Menschen.

 

 

 

Hier geht es zum Trailer von „Süßes Gift“ von Peter Heller und hier zum Trailer von „Tödliche Hilfe“ von Raoul Peck.

"Offener Brief an Afrika - Entwicklungshelfer nach Deutschland senden“
Wer entwickelt hier eigentlich wen? Diese Frage stellte die Aktion 3.Welt Saar in einem offenen Brief an Afrika. Und sorgte damit beim Deutschen Entwicklungstag im Mai 2013 in Saarbrücken für etwas Aufruhr. Hier geht es zum Brief und den Reaktionen.


Die Aktion 3.Welt Saar hat 2014 die Flugschrift „Vorsicht, die Helfer kommen! NGOs zwischen Hilfe und Hilfsbusiness – in Palästina und anderswo“ publiziert, die sich kritisch mit dem staatlichen und dem NGO-Hilfsbusiness beschäftigt. Dort schlägt sie ein Hilfs-Moratorium vor: Davon ausgenommen wäre Katastrophenhilfe. Die Aktion 3.Welt Saar hat kein Projekt in der 3.Welt, weil sie sich nicht anmaßt, andere Menschen über Tausende Kilometer hinweg zu entwickeln.

 

 

Die Durchführung dieser Veranstaltung wurde mit unterstützt von der Regionalpromotorenstelle Saar-West, die bei der Aktion 3.Welt Saar angesiedelt ist. Opens internal link in current windowMehr Infos

Copyright für die Fotos: Aktion 3.Welt Saar e.V. 

Einführung in die Diskussionsrunde mit dem Filmregisseur Peter Heller und der Präsentation seines Films „Süßes Gift – Hilfe als Geschäft“ durch Roland Röder (Geschäftsführer, Aktion 3.Welt Saar e.V.)

Es gilt das gesprochene Wort. 

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde und Freundinnen,

haben Sie sich schon mal gefragt welches afrikanische Land hat ein Ministerium zur Entwicklung von Europa?

Während in Europa jedes Land meist ein eigenes Ministerium hat, um andere Länder zu entwickeln, haben afrikanische Länder dies nicht.
Apropos Entwicklungshilfe:

  • sie verhindert Fluchtursachen, 
  • sie schafft eine bessere Welt 
  • sie repariert, was andere kaputt machen. 
  • sie steht geradezu im Ruf, eine eierlegende Wollmilchsau zu sein. 

Sowohl staatliche Stellen wie auch NGOs stricken an dieser Wahrnehmung. Während andere Politikbereiche in Berlin – Innenressort, Wirtschaftsministerium, Außenministerium, Kanzleramt, Militär (heißt natürlich Verteidigung) mitunter etwas negativ daher kommen – strahlt die Entwicklungshilfe regelrecht. Sie gehört zum Guten in der Politik. Irgendwie zumindest.

Seitens der Aktion 3.Welt Saar fragen wir uns: Was ist eigentlich so faszinierend daran, andere Menschen anderswo zu entwickeln?

Wir werden uns heute Abend mit der Kritik an der Entwicklungshilfe beschäftigen?
Gustavo Esteva, ein mexikanischer Entwicklungssoziologe, bezeichnet Entwicklung als Mythos und sagte

„Entwicklung ist ein gesellschaftliches Experiment im Weltmaßstab, das für die Mehrheit der Betroffenen entsetzlich fehlgeschlagen ist. Ihre „Eingliederung“ in den Weltmarkt zu fairen und gleichen Bedingungen ist zunehmend undurchführbar….Entwicklung ist ein heimtückischer Mythos, dessen bloße Existenz die Weltbevölkerung bedroht, da er ihre üble Lage in einen chronischen Alptraum verwandelt – das ist die entwürdigende Modernisierung der Armut.“

Ausführlicher haben wir seitens der A3WS unsere Kritik an der Entwicklungshilfe in der Flugschrift „Vorsicht, die Helfer kommen!“ ausgeführt – darunter auch die Texte von Gustavo Esteva benannt und den Gast unseres heutigen Abends. Wir schlagen dort ein Entwicklungshilfe-Moratorium für einige Jahre vor (mit Ausnahme der Katastrophenhilfe).
Die Flugschrift „Vorsicht, die Helfer kommen!“ finden Sie am Infostand, nehmen Sie sie reichlich mit zur Weitergabe.

Peter Heller ist seit lockeren 3 ½ Jahrzehnten im Geschäft und in meinen Augen einer der Top Filmemacher, wenn es um die Auseinandersetzung mit Entwicklungshilfe geht. Er ist weniger am filmischen Ad-hoc-Event interessiert – also mal kurz irgendwo hin fahren, die Kamera raus, ein paar Bilder – und dann als Experte in Deutschland herum gereicht werden.
Peter Heller arbeitet meist in Langzeitstudien bzw. greift in seinem filmischen Schaffen immer wieder ähnliche Fragen auf:

  • Er fragt nach den Wirkungen von Entwicklungshilfe – allgemein und im Konkreten 
  • Er nimmt auch mal die Sicht der betroffenen Menschen oder der betroffenen Länder ein. 

Alles in allem – und das zeichnet sein filmisches Schaffen aus – er schaut hinter die Kulissen. Sein Film „SÜSSES GIFT- HILFE ALS GESCHÄFT" überprüfte zum 50. Jahrestag der Unabhängigkeit Wirkungen der Entwicklungshilfe aus der Sicht der Afrikaner.

Er stellt sich Fragen:

  1. Schafft Hilfe Abhängigkeit und Lethargie? 
  2. Welche Interessen haben eigentlich die Entwicklungshelfer? 

und die alles entscheidende Frage:

Warum hat Afrika nach 50 Jahren und 1000 Milliarden US-Dollar Hilfsgelder keinen Entwicklungsschub durchgemacht. Warum stehen die Länder mit dem größten Förderanteil heute schlechter da als am Ende der Kolonialzeit vor 50 Jahren.

Der zweite Film, der in dieser Woche im Filmhaus zum Thema Entwicklung läuft, heißt „Tödliche  Hilfe“ und ist von Raoul Peck aus Hati. Er zeigt, wie Hilfsorganisationen die Tragödie des Erdbebens auf Haiti von 2010 mit 230.000 Toten durch ihr dilletantisches Arbeiten noch verschlimmert haben. Sie waren meist nur am eigenen Konto interessiert.

Warum diese Veranstaltung mit Peter Heller?

Eigentlich wollten wir schon immer ein Veranstaltung mit Peter Heller machen – naja „immer“ nicht ganz, aber die letzten 25 Jahre immer mal wieder. Da aber immer wieder wichtigere Themen dazwischen kamen – vermeintlich  wichtigere – wurde sie verschoben und verschoben.

Aber er war – obwohl er das nie wusste – immer ein Begleiter, immer ein Bestandteil der Aktion 3.Welt Saar. Mal tauchte ein Film von ihm in unseren Diskussionen auf, mal diese oder jene Aussage aus einem seiner Filme.

Er hat mit dazu beigetragen, die Postionen zu entwickeln, unsererseits kein Projekt in der sog. 3.Welt zu haben. Einfach deshalb nicht, weil wir uns nicht anmaßen möchten, andere Menschen über Tausende Kilometer hinweg zu entwickeln. Wir bringen uns entwicklungspolitisch hier ein,  behalten aber immer das Ganze – die Erde – im Blick. Also Internationalisten/innen im klassischen Sinne.

Auch für die Flugschrift „Vorsicht, die Helfer kommen!“ stand er ein Stückweit Pate und wird dort mit seinem heutigen Film auch erwähnt.

Das gleiche gilt für den „Offenen Brief an Afrika“, den wir seitens der Aktion 3.Welt Saar verfasst haben. Dort fordern wir Afrika auf, Deutschland mit Expertenteams und Know-how unter die Arme zu greifen. Weil alleine bekommen wir das hier nicht geregelt mit der Entwicklung. Weder bekommen wir die Verteilung des Reichtums hin, noch schaffen wir eine gleiche Gesundheitsversorgung für alle und in der Energiepolitik wird es bisher auch nichts mit dezentral und regional.

Der Offene Brief liegt am Infostand aus – bedienen Sie sich. Bisher hat Afrika aber noch nicht geantwortet. So sind sie die Afrikaner – erhalten 5 Jahrzehnte lang Geld und dann antworten sie noch nicht mal auf einen Brief. Sehr undankbar.

Irgendwas mit...

Der Titel „IRGENDWAS MIT ENTWICKLUNGSHILFE…“ hat einige irritiert. Er entstand eher zufällig: Wir wussten nicht, wie wir eine Veranstaltung nennen sollten. Auf die interne Frage, worum geht es denn, meinte jemand lapidar: „Naja, „Irgendwas mit…“ halt. So enstanden mit diesem leicht ironisierenden Unterton bisher Veranstaltungen à la „Irgendwas mit: Politik / Verschwörung / Afrika / Islam / Fußball / NS-Erinnerung und heute eben „Irgendwas mit Entwicklungshilfe…“

Nach dem Film , der rund 90 Minuten dauert steht Peter Heller für Fragen und Diskussionen zur Verfügung.

Als ich ihm – nachdem wir den Termin für den heutigen Abend geklärt hatten – erklären wollte, wie er zum Filmhaus, zum Hotel kommt, winkte er am Telefon ab. Ich soll das mal lassen. Er kenne sich schließlich in Saarbrücken aus. Ich weiß nicht , ob es hier im Filmhaus das goldene Buch der Stadt Saarbrücken gibt – dann könnte er sich dort eintragen - ich weiß aber, dass man in dieser Stadt am Rande Deutschlands immer froh ist, wenn jemand von außen sich in Saarbrücken auskennt und demzufolge vermutlich schon mal hier war. Diese Freude bereiten wir seitens der A3WS heute der saarländischen Landeshauptstadt. Sie sind unsere Zeugen und Zeuginnen für diese große Geste.

Herzlich willkommen. 

Es ist die 7. Veranstaltung in der „Irgendwas mit…” Reihe der Aktion 3.Welt Saar.

Warum überhaupt die Reihe „Irgendwas mit ……“?

Wer Veranstaltungen organisiert, kennt das Problem: Man möchte einen Vortrag, Workshop, Event ... machen zu einem Thema X. Auf die klugscheißerische Frage “Und wie sollen wir das Teil denn nun nennen?” fällt einem nur ein: “Na ja, “Irgendwas mit XY” halt.” Genau so ging es uns. Und jetzt haben wir aus der Not eine Tugend gemacht und die “Irgendwas mit ....” Reihe aus der Taufe gehoben. Wir erlauben uns den Luxus, uns mit diesem leicht ironisierenden Unterton selbst etwas auf die Schippe zu nehmen. Das Publikum ist eingeladen, zu prüfen ob es gelingt, die goldene Mitte zwischen ernst & völlig abgedreht zu finden.

Bisher gab es 6x “Irgendwas mit …”

26. April 2015, “Irgendwas mit Politik – Warum Runde Tische nix taugen und online-Petitionen für die Katz sind”, mit Elke Wittich

3. Juni 2015: „Irgendwas mit Verschwörung- Wie obskure Theorien den Kopf entlasten“ mit Jörg Bergstedt

5. Oktober 2015 „Irgendwas mit Afrika – Afrikanische Visionäre im Portrait“ mit Dr. Moustapha Diallo

11. Februar 2016 "Irgendwas mit Islam - Muslimischer Antisemitismus und Gegenstrategien" mit Ahmad Mansour

21. April 2016: Irgendwas mit Fußball - „Ich pfeife – aus dem Leben eines Amateurschiedsrichters“ Lesung mit Christoph Schröder

12. Mai 2016: Irgendwas mit NS Erinnerung – Film: „Triumph des guten Willens“. Ein politisches Portrait über Eike Geisel

Diskussion mit Regisseur Peter Heller

Vom 2. Juni – 8. Juni 2016 liefen im Filmhaus abwechselnd um 19.30 Uhr die Filme „Süßes Gift“ und „Tödliche Hilfe“ (99min, 2013) von Raoul Peck über das Hilfsdesaster nach dem Erdbeben in Haiti von 2010.

Die Diskussion mit Peter Heller fand am Freitag, 3.Juni 2016, 20 Uhr, in Saarbrücken, Filmhaus, Mainzer Str. 8, statt. Präsentiert wurde sein Film „Süßes Gift – Hilfe als Geschäft“ (89min., D, 2012).

Moderation und Opens internal link in current windowEinführung: Roland Röder, Aktion 3.Welt Saar

Hier geht es zum Flyer und zum Plakat (pdf) der Veranstaltung. 

Veranstalter und Unterstützer

Veranstalterin: Aktion 3. Welt Saar

      

mit Unterstützung

und aus Mitteln des Kirchlichen Entwicklungsdienstes durch Brot für die Welt - Evangelischer Entwicklungsdienst.

SR2: Interview Peter Heller

SR2-Kulturradio: Bilanz am Abend, 03. Juni 2016