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Ökumenischer Förderpreis Eine Welt für Agrarprojekt „ERNA goes fair“

Aktion 3.Welt Saar erhält von Prof. Dr. Claudia Warning, Brot für die Welt, den Ökumenischen Förderpreis Eine Welt für Agrarprojekt „ERNA goes fair – für eine faire Landwirtschaft weltweit“

16. Oktober 2015

Warning: Die Interesse und Sorgen der Bauern ernst nehmen  - Kein Wachstum um jeden Preis

(Münster) „Wir zeichnen heute die Aktion 3.Welt Saar für das Projekt ‚ERNA goes fair‘ aus. Es gibt wenige Gruppen, die so kontinuierlich im ländlichen Raum arbeiten und dabei nicht provinziell sind, sondern immer auch eine überregionale Ausstrahlung haben. Sie haben keine Berührungsängste und geben mit ihrer beherzten Meinungsfreudigkeit Anreize zur Diskussion.“ Mit diesen Worten überreichte Prof. Dr. Claudia Warning, Vorstand von Brot für die Welt – Evangelischer Entwicklungsdienst den Ökumenischen Förderpreis an Ingrid Röder, Ottmar
Ilchmann und Roland Röder von der Aktion 3.Welt Saar. Ilchmann ist Milchbauer in Ostfriesland und bringt sich in das ERNA-Projekt ein. Der Festakt fand in der Franz Hitze Akademie in Münster statt.

‚ERNA goes fair – für eine faire Landwirtschaft weltweit‘ ist ein überregionales Agrarprojekt der Aktion 3.Welt Saar gemeinsam mit Milchbauern, Naturschützern und – bundesweit einzigartig – Gewerkschaften. ERNA steht für ERnährungssicherheit und NAchhaltigkeit.

Der Ökumenische Förderpreis wird gemeinsam von Brot für die Welt und dem Katholischen Fonds in den drei Kategorien „Entwicklungspolitik global“, „Klimagerechtigkeit“ und „Kirchliche Partnerschaften“ vergeben und ist mit je 3.000€ dotiert. Die Aktion 3.Welt Saar erhielt ihn in der Kategorie „Entwicklungspolitik global“. Ebenfalls anwesend bei der Preisübergabe waren Erzbischof Ludwig Schick von der Deutschen Bischofskonferenz und Monsignore Wolfgang Huber, Vorsitzender des Katholischen Fonds.

„Wir freuen uns über den Preis, und dass die Jury unseren entwicklungspolitischen Perspektivwechsel auszeichnet“, so Ingrid Röder von der Aktion 3.Welt Saar. Mit ERNA goes fair verlässt die Aktion 3.Welt Saar die klassische Entwicklungspolitik des ‘ich entwickelt–du unterentwickelt‘, und maßt sich nicht an, andere über Tausende Kilometer zu entwickeln. „Die Jury hat an dem Projekt überzeugt, dass es aus der Perspektive der Betroffenen konzipiert ist. Natürlich kümmert sich die Aktion 3.Welt Saar um die Belange der Armen im Senegal und in Paraguay.

Sie kümmert sich aber auch um die Bauern in Deutschland, die dazwischen stehen und leicht einseitig in eine Verursacherrolle gedrängt werden könnten. Die Interessen und Sorgen dieser Bauern werden ernst genommen, ihre Zwänge werden gesehen und so werden sie zu Kooperationspartnern“, so Claudia Warning.

Besonders angetan hatte es ihr ein Slogan der ERNA goes fair Kampagne: „Deutsche Kühe weiden in Paraguay und scheißen auf die Bauern im Senegal“. Dazu meinte Warning: „So derb und plastisch kann man ein Globalisierungsphänomen beschreiben und damit in wenigen Worten ein komplexes Beziehungsgeflecht auffächern.“ In Paraguay werden Bauern enteignet, um riesige Flächen mit Soja zum Export als Futtermittel
anzubauen. Die politisch von der EU gewollte Überproduktion an Milch drückt die Preise für deutsche und andere EU-Bauern und zwingt viele zur Aufgabe ihrer Höfe. Die überschüssige Milch wird als Kondensmilch und
Milchpulver zu Dumpingpreisen nach Westafrika exportiert und bringt dort die Milchbauern um ihre Existenz. Die auf den ersten Blick ganz unterschiedlichen Probleme und Zwänge der Bauern und Bäuerinnen sind, so
Warining, „alle Folge einer auf Wachstum um jeden Preis ausgerichteten Landwirtschaftspolitik.“

Mit „ERNA goes fair“ arbeitet die Aktion 3.Welt Saar auch im Trägerkreis des bundesweiten Agrarbündnisses „Meine Landwirtschaft- unsere Wahl“ und ist Mitveranstalterin der jährlichen Demonstration „Wir haben es satt“ zum Auftakt der Grünen Woche in Berlin. „ERNA goes fair“ wird gefördert aus Mitteln des Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), des saarländischen Umwelt- und Kultusministeriums und aus Mitteln des Kirchlichen Entwicklungsdienstes durch Brot für die Welt - Evangelischer Entwicklungsdienst.

Bildergalerie Ökumenischer Förderpreis, Münster


Hintergrundinformationen:
Im Rahmen des Projektes werden Publikationen wie die Flugschrift „Milch billiger als Wasser“ oder ein Agrarplakat für Schulen und Stalltüren erstellt, Veranstaltungen durchgeführt.