Der Störenfried von nebenan
Gastpredigt von Roland Röder vom 9.11. 2007
Geschäftsführer der „Aktion 3. Welt Saar“
Ökumenischer Gottesdienst zum Gedenken an die Opfer der Reichspogromnacht vom 9.11.1938
Stadtkirche Homburg; Leitung Dr. Klaus Beckmann.
Thema der Gastpredigt: Linker Antisemitismus
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Antisemitismus

- Veranstaltung "Verschwörungstheorien nach dem 11.09.2001" mit Tobias Jäcker, 11.09.2005
Seit den 50’er Jahren kommen alle Studien in Deutschland zum Ergebnis, dass 20-30% der Bevölkerung mehr oder weniger antisemitisch eingestellt sind. Antisemitismus ohne Juden, sondern aus Prinzip und als bewusster Reflex gegen zivilisatorische Fortschritte. Seine Fortsetzung und Potenzierung findet dies in der Tatsache, dass 60% in Deutschland das kleine Israel für die größte Bedrohung des Weltfriedens halten. 60% - eine unglaubliche Zahl. „Man wird ja wohl noch Israel kritisieren dürfen“ lautet die selbstgefällige Begründung. Viele der Befragten sehen sich als Opfer – wieder einmal – und lassen sich ihre Israelkritik nicht nehmen. Verkehrte Welt. Selbstverständlich kann Israel kritisiert werden, wie alles und jedes auf dieser Welt. Auffallend ist nur, mit wieviel Schaum vorm Mund diese Kritik formuliert wird, oder die doppelten Standards und vor allem, was alles nicht erkannt werden will. Kein Wort der Kritik am Antisemitismus in Ägypten, dem regierungsoffiziellen Antisemitismus im Iran und in Syrien. Kein Wort der Kritik am zunehmenden Islamismus, der Israel ebenfalls für alles mögliche verantwortlich macht. Kein Wort der Kritik am zunehmenden Antisemitismus in globalisierungskritischen Kreisen, zum Beispiel die antisemitischen Ausfälle beim Europäischen Sozialforum im Nov’03 in Paris. „Man wird ja wohl noch Israel kritisieren dürfen“ ist die Klammer - von links, durch die Mitte bis nach rechts und umgekehrt – die viele in dieser Gesellschaft zusammenschweißt. So, wie das halt mit einem gemeinsamen Feindbild funktioniert. Israel wurde als Staat notwendig, weil Auschwitz als deutsche Tat möglich wurde. Auschwitz, Hitler, NS & Co – lange her, längst vorbei. Sorry, bei dieser Vergangenheitsbewältigung stehen wir auf der anderen Seite. Dass sich die Antisemiten dieser Erde bis heute nicht mit der Existenz Israels abgefunden haben, wer soll es ihnen verdenken. Sie können nun nicht mehr so, wie sie eigentlich gerne wollen.
